Die Hohentwiel ist eine Philosophie Kapitän Adolf F. Konstatzky – seit 30 Jahren mit der Hohentwiel eng verbunden

Seit Februar 1990 arbeitet er auf der Hohentwiel, seit 1. Januar 2004 ist Adolf F. Konstatzky Kapitän und Geschäftsführer der Hohentwiel Schifffahrtsgesellschaft. Im Interview blickt er zurück – und nach vorn.

Text Hildegard Nagler  Fotos Markus Gmeiner, Archiv Hohentwiel  Foto- und Textredaktion agenturengel  Published nobleSee 10, 2020

Herr Konstatzky, die Hohentwiel ist ein ganz besonderer Arbeitsplatz. Welche Erinnerungen kommen Ihnen spontan?

Wir haben eines Tages einen Brief bekommen. Darin hatten die Kinder eines ehemaligen Hohentwiel Kapitäns gefragt, ob sie mit dem Vater auf die Hohentwiel kommen dürften und ob er auch auf die Brücke dürfe? Selbstverständlich haben wir Ja gesagt. Als der alte Mann am Steuerrad stand, sind ihm die Tränen nur so runtergelaufen. Kurze Zeit später ist er verstorben. Das hat mich sehr bewegt. Noch eine Begebenheit aus dem Jahr 2018: Mein Schwager Jee-Ho hat seiner Freundin bei einer Jazz Brunch-Fahrt einen Heiratsantrag gemacht. Sie war völlig überwältigt – und hat Ja gesagt. Natürlich gab es auch andere Begegnungen, die mich inspiriert haben: Die mit Schauspieler Michael Fassbender beispielsweise, der zu Dreharbeiten auf die Hohentwiel gekommen ist und sie sehr bewundert hat. Auch die Aufnahmen zum Bond-Film waren hochinteressant.

Wie waren Ihre Anfänge bei der Hohentwiel?

Wir waren eine verwegene Truppe mit unglaublich viel Drive. Alle Widerstände haben unsere Energie verstärkt. Also sind wir losgefahren. 1992 habe ich mein Patent als Schiffsführer gemacht, bis September 2003 war ich Steuermann. „Ab Januar 2004 gehe ich in Pension. Sie machen das Ganze weiter”, sagte eines Tages im September 2003 Reinhard E. Kloser, Projektleiter bei der Restaurierung und der erste Kapitän der renovierten Hohentwiel. Eigentlich war es mir noch zu früh. Gleichzeitig wusste ich: Ich muss es machen, sonst ist niemand da. Also bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Wobei ich sagen muss: Eine meiner größten Herausforderungen war es, vom Arbeitnehmer zum Arbeitgeber zu werden.

Das ist mittlerweile 15 Jahre her …

Damals habe ich mich daran gemacht, ein CI auf- und das Messegeschäft auszubauen. Da ich ein Fan von Inhouse-Lösungen bin, habe ich mit meinem Team begonnen, in dieser Richtung zu arbeiten – so haben wir eine optimale Kontrolle über den Output, also darüber, was der Gast erwartet. Wir haben den Vertrieb zu uns geholt, zudem ein zunehmend breiteres Portfolio an Fahrten entwickelt, ab 2011 dann eine eigene Gastronomie aufgebaut.

Seit April 2019 arbeiten Sie mit der ebenfalls restaurierten Oesterreich zusammen …

In den Synergien, die durch diese Kooperation entstehen, sehe ich unseren zukünftigen Weg. Mit neuneinhalb Mitarbeitern in der Nautik habe ich jetzt einen Personalstamm, der es mir erlaubt, auf eine Work-Life-Balance für alle Mitarbeiter zu achten. Zuvor waren wir von der Auslastung her an einem absoluten Limit. Jetzt haben wir wieder Bewegungsspielraum, und zwar nicht nur hinsichtlich des Personals. Das Motorschiff Oesterreich kann etwas, was die Hohentwiel nicht kann: im Winter fahren. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert, sie wollen ganzjährig attraktive Angebote. Mit beiden Schiffen ist das möglich.

Apropos Zahlen. Wissen Sie, wie viele Kilometer die Hohentwiel seit 1990 zurückgelegt hat?

Selbstverständlich! Seit ihrer Wiederindienststellung am 17. Mai 1990 hat die Hohentwiel insgesamt 322.400 Kilometer zurückgelegt. Dabei hat sie 733.600 Fahrgäste über den See geschippert.

DS Hohentwiel, MS Oesterreich, MS Schwaben, MS St. Gallen, MS Säntis – besteht die Gefahr, dass der Bodensee mit historischen Schiffen übersättigt wird?

Die historische Schifffahrt gewinnt auf dem Bodensee zunehmend an Bedeutung. Wir betreiben das letzte Dampfschiff vor dem Ersten Weltkrieg und das erste Motorschiff nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Label „Historische Schifffahrt Bodensee”. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Die Hohentwiel ist vom Bodensee nicht mehr wegzudenken, und auch die Oesterreich ist dabei, sich eine wachsende Fangemeinde zu schaffen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Passagiermotorboote, die von den Franzosen als Reparationszahlungen weggebracht wurden, ausfindig machen. Aber das ist Zukunftsmusik. Wir versprechen unseren Fahrgästen, dass sie den ganz besonderen Geist der Hohentwiel spüren. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass ich auf meine Crew extrem stolz bin. Alle Mitglieder arbeiten mit Herzblut und streben ständig nach Bestleistungen, damit sich unsere Gäste wohlfühlen. Die Hohentwiel ist unser Gemeinschaftsprojekt. Sie ist nicht nur ein Schiff – sie ist eine Philosophie.

Wir danken für das Gespräch.

 

Tagged under:

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Weberlebnis zu bieten und erstellt zudem anonyme Nutzungsstatistiken. Stimmen Sie Cookies zu, indem Sie auf Akzeptieren klicken. Datenschutz-Einstellungen